Es ist Abend. Die Kinder liegen endlich im Bett und im Haus wird es langsam ruhiger.
Eigentlich bin ich müde. Der Tag war lang, in meinem Kopf drehen sich noch die Gedanken an Termine, Aufgaben und all die Dinge, die ich nicht geschafft habe. Trotzdem setze ich meine Kopfhörer auf, öffne mein Dokument und versuche, noch ein paar Worte zu schreiben.
Denn der Abend ist meistens die einzige Zeit, die mir zum Schreiben bleibt.
Ich würde gern behaupten, dass ich eine perfekte Schreibroutine habe. Dass ich mich jeden Abend motiviert an den Schreibtisch setze und meine Worte wie von selbst auf die Seite fließen.
Doch so ist es nicht.
Manchmal funktioniert es. Manchmal gewinnt mein innerer Schweinehund. Und manchmal brauche ich einfach eine Pause.
Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „Schreiben trotz Alltag – deine besten Tricks gesucht“. Darin fragt Pia Helfferich danach, wann wir schreiben, welche Hindernisse uns begegnen und was uns dabei hilft, trotzdem dranzubleiben.
Hier kommt meine ehrliche Antwort.
Meine Schreibzeit beginnt, wenn die Kinder schlafen
Morgens schreiben, bevor der Rest der Familie aufsteht?
Das klingt schön. Für mich funktioniert es allerdings nicht.
Meine Schreibzeit beginnt meistens erst am Abend, wenn die Kinder im Bett sind. Dann wird es ruhiger und ich habe endlich die Möglichkeit, mich auf meine Texte zu konzentrieren.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ich automatisch voller Energie bin.
Oft liegt bereits ein langer Tag hinter mir. Familie, Arbeit, Termine und der ganz normale Alltagswahnsinn haben meine Konzentration beansprucht. Wenn ich mich dann an den Computer setze, muss ich nicht nur meine Geschichte weiterschreiben. Ich muss zuerst die Hürde überwinden, überhaupt anzufangen.
An manchen Abenden klappt das gut.
An anderen sitze ich vor meinem Dokument und denke darüber nach, wie bequem es jetzt auf dem Sofa wäre.
Ich habe deshalb aufgehört, auf den perfekten Moment zu warten. Es gibt ihn in meinem Alltag wahrscheinlich nicht. Stattdessen versuche ich, die Zeit zu nutzen, die tatsächlich da ist.
Kopfhörer sind mein persönlicher Startknopf
Ein einfacher Trick hilft mir dabei besonders: Ich setze meine Kopfhörer auf.
Manchmal höre ich motivierende Musik. Sie hilft mir, die Geräusche um mich herum auszublenden und mich auf meine Geschichte einzulassen.
Manchmal läuft allerdings gar keine Musik.
Dann trage ich die Kopfhörer einfach nur so.
Das klingt vielleicht merkwürdig, aber für mich funktionieren sie wie ein Signal: Jetzt beginnt meine Schreibzeit. Alles andere darf für einen Moment in den Hintergrund treten.
Dieses kleine Ritual löst natürlich nicht jedes Konzentrationsproblem. Aber es erleichtert mir den Einstieg. Und oft ist genau dieser Einstieg der schwierigste Teil.
Sobald ich die ersten Sätze geschrieben habe, fällt es mir leichter, weiterzumachen.
Kleine sichtbare Erfolge motivieren mich
Was mir ebenfalls hilft, sind To-do-Listen.
Ich mag es, Aufgaben abzuhaken. Jedes gesetzte Häkchen zeigt mir: Du hast etwas geschafft.
Allerdings habe ich gelernt, dass meine Aufgaben klein genug sein müssen. Eine Aufgabe wie „Roman weiterschreiben“ ist viel zu groß und unübersichtlich. Sie sagt mir weder, wo ich anfangen soll, noch wann ich sie als erledigt betrachten darf.
Deshalb teile ich meine Vorhaben in kleine Schritte auf.
Statt „am Roman arbeiten“ könnte auf meiner Liste stehen:
- eine Szene überarbeiten,
- den nächsten Absatz schreiben,
- eine offene Frage zur Handlung klären.
Solche Aufgaben wirken machbar. Ich kann sie beginnen, beenden und anschließend abhaken.
Besonders gut funktioniert für mich die Idee, mir nur drei kleine Ziele pro Tag vorzunehmen. Darüber habe ich bereits in meinem Beitrag „Wie du mit drei Mini-Zielen pro Tag produktiver bist“ geschrieben.
Die kleinen Ziele nehmen dem großen Projekt seinen Schrecken. Sie erinnern mich daran, dass ein Roman nicht an einem einzigen Abend entsteht. Er wächst aus vielen kleinen Schritten.
Meine selbst entwickelte Methode zum Dranbleiben
Weil mir sichtbare Fortschritte guttun, habe ich eine eigene Methode entwickelt, die Motivation und Routine miteinander verbindet.
Dafür nutze ich eine Malvorlage. Sie hilft mir dabei, meine erledigten Schritte sichtbar zu machen und mich regelmäßig mit meinem Ziel zu beschäftigen.
In meinem Beitrag über meine Malvorlage für mehr Motivation und Routine stelle ich die Methode genauer vor.
Funktioniert sie immer?
Nein.
Auch die beste Methode kann mir das Schreiben nicht vollständig abnehmen. Sie kann keine Müdigkeit wegzaubern und meinen inneren Schweinehund nicht jedes Mal besiegen.
Aber sie hilft mir besonders dann, wenn ich mir bewusst vornehme, wieder dranzubleiben. Sie gibt meinem Vorhaben einen sichtbaren Rahmen und erinnert mich daran, dass auch kleine Fortschritte zählen.
ADHS, fehlende Motivation und mein innerer Schweinehund
Eines meiner größten Hindernisse ist mein ADHS.
Es fällt mir nicht immer leicht, meine Konzentration gezielt auf eine Aufgabe zu richten. Manchmal springen meine Gedanken von einem Thema zum nächsten. Manchmal habe ich viele Ideen gleichzeitig und weiß nicht, mit welcher ich beginnen soll. An anderen Tagen fehlt mir bereits die Motivation, mein Dokument überhaupt zu öffnen.
Über meinen persönlichen Umgang mit diesem Thema habe ich auch in meinem Beitrag „Mein Weg zu mehr Konzentration im Alltag“ geschrieben.
Hinzu kommt mein innerer Schweinehund.
Er kennt erstaunlich viele Argumente gegen das Schreiben:
Du bist heute zu müde.
Du kannst morgen weitermachen.
Für ein paar Sätze lohnt es sich jetzt sowieso nicht mehr.
Früher dachte ich häufig, ich müsste diesen inneren Widerstand mit möglichst viel Disziplin besiegen. Heute versuche ich eher, die Einstiegshürde zu verkleinern.
Ich muss nicht sofort ein ganzes Kapitel schreiben.
Ich muss nicht stundenlang konzentriert bleiben.
Ich darf mein Dokument öffnen und mit einem einzigen Satz beginnen.
Manchmal wird daraus mehr. Manchmal bleibt es bei diesem einen Satz. Aber auch dieser Satz war vorher noch nicht da.
Jede kleine Wartezeit kann Schreibzeit sein
Nicht jeder Fortschritt muss am Schreibtisch entstehen.
Ich versuche, auch die kleinen Wartezeiten im Alltag zu nutzen. Es gibt immer wieder Minuten, in denen ich auf einen Termin, eine Rückmeldung oder den Beginn der nächsten Aufgabe warte.
Diese Minuten reichen vielleicht nicht für eine komplette Szene. Aber sie reichen für einen Gedanken, eine Formulierung oder eine kurze Notiz.
Manchmal kann ich dadurch später am Abend leichter einsteigen, weil die erste Idee bereits vorhanden ist.
Natürlich muss nicht jede freie Minute produktiv genutzt werden. Auch Nichtstun und Durchatmen sind wichtig. Aber wenn mir gerade etwas zu meiner Geschichte einfällt, möchte ich diese kleinen Zeitfenster nicht ungenutzt verstreichen lassen.
Die Rohfassung darf unperfekt sein
Ein weiterer Gedanke hat mein Schreiben deutlich erleichtert:
Die Rohfassung muss nicht gut sein.
Sie muss zunächst nur existieren.
Wenn ich bereits während des Schreibens jeden Satz kontrolliere, verbessere und infrage stelle, komme ich kaum voran. Dann beschäftige ich mich mehr mit meiner Unsicherheit als mit meiner Geschichte.
Deshalb versuche ich, Schreiben und Überarbeiten voneinander zu trennen.
Beim ersten Entwurf darf der Text holprig sein. Es dürfen Wiederholungen vorkommen. Manche Formulierungen dürfen seltsam klingen und nicht jede Szene muss sofort funktionieren.
Perfekt machen kann ich den Text später.
Bei der Überarbeitung sehe ich genauer hin. Dann streiche ich, ergänze und formuliere neu. Doch eine leere Seite kann ich nicht überarbeiten.
Eine unperfekte Rohfassung dagegen schon.
Was ich mache, wenn ich nicht weiterkomme
Trotz aller Methoden gibt es Momente, in denen ich feststecke.
Dann hilft mir manchmal das Freischreiben. Ich schreibe einfach auf, was gerade in meinem Kopf passiert, ohne den Text sofort zu bewerten.
Manchmal schreibe ich sogar direkt über mein Schreibproblem:
Warum komme ich an dieser Stelle nicht weiter?
Was stört mich an der Szene?
Was fehlt mir?
Was könnte als Nächstes passieren?
Dadurch löse ich mich von dem Druck, sofort die perfekte Fortsetzung finden zu müssen. Während ich über das Problem schreibe, entdecke ich häufig, wo es tatsächlich hakt.
Nicht jede dieser Notizen landet später im Roman. Das müssen sie auch nicht. Ihr Zweck besteht darin, meine Gedanken wieder in Bewegung zu bringen.
Manchmal ist eine Pause die beste Entscheidung
Es gibt allerdings auch Phasen, in denen weder Kopfhörer noch Listen, Mini-Ziele oder Freischreiben helfen.
Im vergangenen Quartal hatte ich eine solche Phase.
Nach meiner Lesung, vielen familiären Aufgaben, beruflichem Stress und zahlreichen weiteren Terminen war meine Energie aufgebraucht. In meinem Quartalsrückblick Q2 2026 habe ich ausführlicher darüber geschrieben.
Zuerst meldete sich mein schlechtes Gewissen.
Ich dachte daran, was ich schreiben, planen und erledigen müsste. Gleichzeitig wollte mein Kopf nur noch Ruhe.
In solchen Momenten hilft es mir nicht, mich mit noch mehr Druck zum Schreiben zu zwingen. Dann muss ich mir erlauben, eine Pause zu machen – möglichst ohne mich dafür innerlich zu verurteilen.
Das fällt mir nicht immer leicht.
Doch eine Auszeit bedeutet nicht, dass ich aufgegeben habe. Sie bedeutet auch nicht, dass mir mein Buch plötzlich unwichtig geworden ist.
Manchmal brauche ich Abstand, damit meine Gedanken wieder Kraft sammeln können.
Dranbleiben bedeutet für mich deshalb nicht, jeden Tag um jeden Preis zu schreiben. Es bedeutet, nach einer Pause wieder zurückzukommen.
Schreiben trotz Alltag bedeutet nicht Schreiben ohne Unterbrechung
Meine Schreibroutine ist nicht perfekt.
Manche Abende laufen gut. An anderen schreibe ich nur wenige Sätze. Und manchmal schreibe ich gar nicht.
Trotzdem wächst mein Text weiter.
Was mir dabei hilft, sind keine spektakulären Geheimtipps. Es sind kleine Dinge:
Meine Kopfhörer, die den Beginn der Schreibzeit markieren.
Kleine Ziele, die ich abhaken kann.
Eine Methode, die meinen Fortschritt sichtbar macht.
Freies Schreiben, wenn ich feststecke.
Die Erlaubnis, eine unperfekte Rohfassung zu produzieren.
Und die Erkenntnis, dass ich mir in anstrengenden Phasen eine Pause gönnen darf.
Vielleicht besteht das Geheimnis des Dranbleibens gar nicht darin, niemals aufzuhören.
Vielleicht besteht es darin, immer wieder anzufangen.
Wie integrierst du das Schreiben in deinen Alltag? Hast du ein Ritual, einen ungewöhnlichen Trick oder eine Methode, die dir dabei hilft, dranzubleiben?
Schreib mir deine Erfahrung gern in die Kommentare.


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