Die Zeitengängerin von P. C. Cast – Rezension zur keltischen Portalfantasy

von | Aug. 17, 2026 | Buchrezensionen | 0 Kommentare

Bewertung: 5 von 5 Sternen
Genre: Historische Portalfantasy mit Romance und erotischen Anteilen
Spoilerhinweis: Die Rezension enthält keine wesentlichen Spoiler.

Mit Die Zeitengängerin verbindet P. C. Cast historische Portalfantasy, keltische Naturmagie und eine leidenschaftliche Liebesgeschichte zu einem Roman, den ich trotz eines holprigen Einstiegs kaum aus der Hand legen konnte.

Eine Reise in das keltische Britannien

Die deutsche Taschenbuchausgabe erschien am 10. Februar 2015 bei MIRA Taschenbuch und umfasst 304 Seiten.

Alex besitzt eine ungewöhnliche Gabe: Sie kann mit Geistern sprechen. In ihrer eigenen Zeit wird diese Fähigkeit eher als abnormal betrachtet und sorgt dafür, dass sie immer wieder an sich selbst zweifelt. Durch einen geheimen Auftrag gelangt sie in das keltische Britannien, wo sie auf den Druidenkrieger Caradoc trifft. In der Vergangenheit muss Alex nicht nur eine gefährliche Aufgabe bewältigen, sondern auch lernen, ihrer Wahrnehmung, ihren Fähigkeiten und der spirituellen Welt um sie herum zu vertrauen.


Ein etwas schwieriger Einstieg

Die erste Seite musste ich mehrmals lesen. Für mich war zunächst weder eindeutig, ob Alex ein Mann oder eine Frau ist, noch konnte ich die Erzählperspektive sofort einordnen. Dadurch fiel mir der direkte Zugang zur Geschichte zunächst schwer.

Diese Unklarheit legte sich jedoch schnell. Sobald ich mich in die Handlung eingefunden hatte, entwickelte der Roman einen starken Lesesog. Der anfängliche Stolperstein blieb deshalb mein einziger nennenswerter Kritikpunkt.


Alex und die Kraft ihrer Besonderheit

Alex hat mir als Hauptfigur besonders gut gefallen, weil sie ihre Fähigkeiten nicht von Beginn an selbstbewusst annimmt. Sie ist voller Zweifel, gleichzeitig aber offen für das Übernatürliche und bereit, sich auf Erfahrungen einzulassen, die ihr bisheriges Weltbild infrage stellen.

Ihre Gabe, mit Geistern zu sprechen, wird in ihren beiden Welten vollkommen unterschiedlich bewertet. In der Zukunft gilt sie als ungewöhnlich oder sogar abnormal. In der Vergangenheit wird dieselbe Fähigkeit als etwas Besonderes und Wertvolles wahrgenommen.

Dieser Gegensatz gehört für mich zu den stärksten Gedanken des Romans. Alex muss nicht lernen, ihre Besonderheit abzulegen oder zu verstecken. Stattdessen beginnt sie zu verstehen, dass ihre Gabe zu ihr gehört und ihr Kraft geben kann.

Damit vermittelt die Geschichte eine klare Botschaft: Akzeptiere dich selbst und das, was dich ungewöhnlich macht – auch wenn andere Menschen es nicht verstehen.


Naturmagie und spirituelle Verbundenheit

Die Verbindung zur Natur und zu den Elementen ist für mich eine der größten Stärken des Romans. Die Natur dient nicht nur als Kulisse für die Handlung. Sie wird als lebendige Kraftquelle dargestellt, aus der Menschen Energie, Stärke und inneren Halt ziehen können.

Besonders eindrücklich fand ich eine Szene, in der Alex bewusst mit den Bäumen in Verbindung tritt und eine göttliche Präsenz wahrnimmt. Hier zeigt sich, wie eng Natur, Spiritualität und Magie in dieser Welt miteinander verbunden sind.

Auch die Göttin Andraste spielt für die spirituelle Ebene des Romans eine wichtige Rolle. Alex erkennt nach und nach, dass hinter ihren Wahrnehmungen mehr steckt, als sie bisher glauben konnte. Diese Entwicklung verleiht der Geschichte etwas Ursprüngliches und Mystisches.

Das Worldbuilding ist dabei nicht unnötig kompliziert. Die keltische Welt wird atmosphärisch vermittelt, ohne dass lange Erklärungen die Handlung ausbremsen. Wer allerdings ein bis ins kleinste Detail ausgearbeitetes Magiesystem erwartet, wird hier vermutlich weniger fündig. Im Mittelpunkt stehen das Erleben der Naturkräfte und ihre Bedeutung für Alex’ persönliche Entwicklung.


Misstrauen, gegenseitiger Halt und Leidenschaft

Auch die Beziehung zwischen Alex und Caradoc hat mich überzeugt, weil sie nicht sofort von vollkommenem Vertrauen geprägt ist. Caradoc spürt, dass Alex ihm nicht die ganze Wahrheit sagt, und begegnet ihr deshalb zunächst mit Misstrauen. Ihre Verbindung muss sich erst durch gemeinsame Erlebnisse entwickeln.

Besonders gelungen fand ich, dass beide einander auf unterschiedliche Weise Halt geben. In einem Moment, in dem Caradoc durch ein erschütterndes Erlebnis innerlich aus dem Gleichgewicht gerät, hilft Alex ihm, wieder Boden unter den Füßen zu finden. Sie erdet ihn im übertragenen Sinn.

Caradoc zeigt Alex wiederum, wie sie ihre Verbindung zur Erde bewusst nutzen und daraus Kraft schöpfen kann. Dadurch entsteht zwischen ihnen nicht nur körperliche Anziehung. Ihre Beziehung beruht auch auf Vertrauen, gegenseitiger Unterstützung und einer gemeinsamen spirituellen Erfahrung.

Die erotischen Anteile machen deutlich, dass sich der Roman an ein erwachsenes Publikum richtet. Sie unterstreichen die Leidenschaft zwischen Alex und Caradoc, ohne die fantastische Handlung oder Alex’ persönliche Entwicklung vollständig in den Hintergrund zu drängen.


Spannung ohne unnötige Längen

Der Wechsel zwischen spannenden und ruhigeren Szenen hat für mich sehr gut funktioniert. Gefährliche Situationen und Alex’ Auftrag treiben die Handlung voran. Die ruhigeren Abschnitte schaffen dagegen Raum für die Figuren, die Naturmagie und die wachsende Verbindung zwischen Alex und Caradoc.

Dadurch wirkt die Geschichte weder gehetzt noch langatmig. Auch die Beschreibungen sind atmosphärisch, ohne unnötig ausschweifend zu werden. Für mich kam deshalb während des Lesens keine Langeweile auf.

Der Schreibstil ist leicht zugänglich und flüssig. Trotz der spirituellen Themen bleibt die Geschichte verständlich und verliert sich nicht in komplizierten Erklärungen. Dass ich den Roman innerhalb von drei Tagen gelesen habe, zeigt für mich am deutlichsten, wie stark mich die Handlung nach dem schwierigen Einstieg gepackt hat.


Genre und Zielgruppe

Für mich ist Die Zeitengängerin in erster Linie eine historische Portalfantasy. Die Reise in eine andere Zeit bildet das Tor zu einer fremden, magischen Welt. Romance, Spiritualität und erotische Szenen sind wichtige Bestandteile der Geschichte, verdrängen die Fantasyhandlung aber nicht vollständig.

Das Buch eignet sich besonders für erwachsene Frauen, die sich ihre Begeisterung für magische und leidenschaftliche Geschichten bewahrt haben. Auch Leserinnen aus dem New-Adult-Bereich könnten angesprochen werden, wenn sie Zeitreisen, keltische Mythologie, Naturmagie, spirituelle Themen und sinnliche Liebesgeschichten mögen.

Wer dagegen eine wissenschaftlich ausgearbeitete Zeitreise-Logik, ein komplexes Magiesystem oder eine sehr düstere und kampflastige Fantasygeschichte erwartet, könnte andere Schwerpunkte bevorzugen.


Mein Fazit

Die Zeitengängerin hat mich nach einem zunächst unklaren Einstieg mit seiner naturverbundenen Magie, Alex’ Entwicklung, der leidenschaftlichen Beziehung zu Caradoc und dem ausgewogenen Erzähltempo überzeugt. Für erwachsene Frauen, die Portalfantasy, keltische Spiritualität und Romance mögen, ist der Roman eine klare Empfehlung – 5 von 5 Sternen.


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Über mich

Sandra Schwertfeger schaut in die Kamera

Hi, ich bin Sandra 🖐

Urban-Fantasy-Autorin aus Lübeck. In meinen Geschichten treffen Magie und Realität aufeinander – mit Themen wie Zweifel, Liebe, Identität und dem Mut, den eigenen Weg zu gehen.

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